Risikokompetenz

Am Beispiel des Umgangs mit psychoaktiven Substanzen postuliert Franzkowiak (1996; 2002) sechs Komponenten eines Risikokompetenz-Modells. Dieses unterscheidet zwischen den Zielebenen Wissen, Einstellung und Verhalten:

  1. Informiertes Problembewusstsein über Drogenwirkungen und Risiken des Drogenkonsums.
  2. Die Entwicklung von Gebrauchsnormen, die das persönliche Risiko und schädliche Folgen für die Lebensumwelt und die Gesellschaft weitgehend minimieren.
  3. Konsequente Punktnüchternheit für ausgewählte Lebensräume und Entwicklungsstadien.
  4. Ritualisierte Formen des nicht schädlichen Umgangs mit Rausch- und Suchtmitteln.
  5. Entscheidungsfreiheit und –stärke für langfristige Konsumoptionen zwischen Abstinenz und kontrolliertem Konsum.

Ein aktualisiertes Konstrukt von Risikokompetenz beim Umgang mit psychoaktiven Substanzen stellen Kröninger-Jungaberle, Nagy, Heyden und DuBois (2014) vor, wobei Risikokompetenz als Teilaspekt von Gesundheitskompetenz betrachtet wird. Hierbei wurden die relevanten Fähigkeitsbereiche Reflektiertheit, Informiertheit, Kontrolliertheit und Orientiertheit operationalisiert und im Rahmen einer kontrollierten Studie validiert (Nagy, 2014):

  • Reflektiertheit konstituiert sich aus den Fähigkeiten, Risiko auf sich selbst beziehen sowie aus eigenen und den Erfahrungen anderer lernen zu können.
  • Informiertheit wird als Fähigkeit objektivierbares Faktenwissen abrufen zu können beschrieben.
  • Kontrolliertheit setzt sich aus Kontrollintention, wahrgenommener Kontrollierbarkeit, Kontrollerfahrung (des Konsums von PAS) und Selbstwirksamkeitserwartung zusammen.
  • Orientiertheit beschreibt die Fähigkeit zu zukunftsbezogenen Reflexionen, d.h. ein Wert- und Sinnverständnis zu haben sowie zukunfts- und zielorientiert zu handeln.

Andere Risikokompetenz-Modelle finden sich u.a. bei Weibel (2007) und Barsch (2008), wobei diese nicht durch Studien validiert wurden.

Literatur:

Franzkowiak, P. (1996). Risikokompetenz–eine neue Leitorientierung für die primäre Suchtprävention. Neue Praxis, 26 (5), 409–425.

Franzkowiak, P. (2002). Zwischen Abstinenz und Risikobegleitung–Präventionsstrategien im Wandel. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hg.), Drogenkonsum in der Partyszene. Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Bd, 19, 107–124.

Kröninger-Jungaberle, H., Nagy, E., Heyden, M. von & DuBois, F. (2014). REBOUND: A media-based life skills and risk education programme. Health Education Journal (DOI: 10.1177/0017896914557097).

Nagy, E. (2014). Risikokompetenz beim Umgang mit Alkohol und anderen Drogen. Konzeptualisierung und Operationalisierung von gesundheitsrelevanten Fähigkeiten beim Umgang mit psychoaktiven Substanzen. Studie im Rahmen ders EU-Präventionsprojekts REBOUND. Inauguraldissertation, Ruprecht-Karls-Universität. Heidelberg.

Weibel, J. (2007). Risikokompetenz und Drogenmündigkeit im Spannungsfeld von Kritik-und Genussfähigkeit: Literaturanalyse und Empfehlungen für die Praxis der Suchtprävention: Stadt Zürich, Suchtpräventionsstelle.

Barsch, G. (2008). Lehrbuch Suchtprävention. Von der Drogennaivität zur Drogenmündigkeit. Geesthacht.